Ein 18-jähriges Crans-Montana-Brandopfer stirbt im Universitätsspital Zürich. Nicht an den Verbrennungen. Sondern an einem Spitalkeim: Acinetobacter baumannii. Ein Name, den ausserhalb von Intensivstationen kaum jemand kennt. Einer der gefährlichsten Keime überhaupt. Der Fall ist kein medizinischer Einzelfall. Er ist ein Systemsignal. Und vermeidbar.
Seit Jahren diskutieren Politik, Spitalleitungen und Fachgremien über Antibiotikaresistenzen, Hygieneprotokolle und Compliance. Papier gibt es genug. Sitzungen auch. Und trotzdem passiert etwas Erstaunliches – oder vielmehr Beunruhigendes: Eine in der Schweiz hergestellte, verfügbare, geprüfte Desinfektionslösung wird im Schweizer Gesundheitswesen systematisch ignoriert. Dabei funktioniert sie längst. Nur nicht dort, wo es am wichtigsten wäre.
Hunderte Ladebrücken des Logistikunternehmens Planzer werden seit über einem Jahr an 15 Standorten in der Schweiz mit genau diesem Wirkprinzip desinfiziert – mit Hochdruck-Sprühgeräten. Tierkliniken setzen es ein. Spitex-Teams berichten von guter Verträglichkeit, schneller Wirkung und materialschonender Anwendung – teils sogar von positiven Effekten auf die Wundheilung.
Das Problem ist nicht, dass es keine Lösung gegen gefährliche Keime gibt. Das Problem ist, dass eine Lösung nicht eingesetzt wird.
Ein Keim-, kein Wissensproblem
Dass Keime wie Acinetobacter baumannii oder Candida auris für immungeschwächte Patienten lebensgefährlich sind, ist bekannt. Acinetobacter baumannii gilt laut WHO als einer der gefährlichsten multiresistenten Bakterien. Todesfälle in Spitälern sind dokumentiert, auch in der Schweiz. Dass die Keime auf Oberflächen, Geräten, Betten, Vorhängen, in Lüftungen und in sogenannten Schattenzonen überleben, ebenfalls.
Und auch das ist kein Geheimnis: Hypochlorige Säure (HOCI) kann diese Keime inaktivieren. Wissenschaftlich belegt – seit Jahrzehnten.
HOCI ist kein neues Wundermittel. Es ist eine natürliche Immunwaffe: HOCI ähnelt dem körpereigenen Abwehrmechanismus, da auch weisse Blutkörperchen hypochlorige Säure zur Abtötung von Erregern bilden. Neu ist lediglich die Technologie: Heute lässt sich aus Wasser, Salz und Strom ein stabiles, pH-neutrales HOCI herstellen – monatelang haltbar. Nicht mehr nur einen Tag wie im Ersten Weltkrieg, als HOCI-haltige Lösungen im Feldlazarett zum Spülen und Reinigen von offenen, oft stark verschmutzten Weichteilwunden verwendet wurden.
Der entscheidende Punkt: HOCl darf vernebelt und versprüht werden. Genau dort wirksam, wo klassische Desinfektion an Grenzen stösst.
Luft.
Wände.
Betten.
Vorhänge.
Schattenzonen.
Swiss Made, geprüft – und trotzdem kaum genutzt
In der Schweiz stellt die Actiwa Swiss Group AG ein solches Produkt her: Desinfactive® Medical. 700–750 ppm HOCl. pH-neutral. Ohne Alkohol. Ohne Gefahrenkennzeichnung.
Das Mittel ist EN-geprüft – getestet nach standardisierten europäischen Prüfverfahren. Es ist in mehreren Biozid-Kategorien zugelassen und beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) registriert. Es schädigt keine Materialien wie Holz, Leder, Gummi oder Elektronik. Es wirkt auch gegen alkohol- und fungizid-resistente Keime – darunter Candida auris.
Und trotzdem fehlt im Schweizer Krankenhausalltag bislang eine verbindliche Empfehlung oder klare Strategie für den breiten Einsatz solcher Mittel.
Warum?
Zu teuer? Kaum – die Produkte sind regulär beschaffbar. Zu wenig wirksam? Nein – international anerkannt. Nicht erlaubt? Doch – zugelassen.
Fatales Nichthandeln
Bleibt eine unbequeme Wahrheit: Ignoranz kann töten. Niemand sagt, der Tod des 18-Jährigen am Universitätsspital Zürich hätte verhindert werden können – das wäre unseriös. Aber wenn Spitäler heute ein anti-resistentes Desinfektionsmittel einsetzen können, und es nicht tun, dann ist das kein technisches Detail mehr. Es ist ein Versagen auf vielen Ebenen.
Dabei verfolgt die Schweiz die Strategie NOSO: Strategie zur Reduktion von nosokomialen Infektionen – also eine nationale Strategie zur Verhinderung von Spitalinfektionen. Auch vom BAG sowie Swissnoso, der Schweizer Fachorganisation für Infektionsprävention, fehlt eine klare Empfehlung für den Einsatz von HOCl auf Intensivstationen und bei Quarantänen.
Die vom BAG unterstützte NOSO verspricht eine Reduktion von Spitalkeimen bis 2030. Ohne konkrete Umsetzung bleibt dies eine zahnlose Absichtserklärung. Patienten, Personal, Besucher sind gefährdet.
Chracher-Empfehlung:
- Pilotprojekte in zehn ausgewählten Spitälern
- Transparenz über den bisherigen Einsatz zugelassener Mittel
- Zeitnahe Integration von HOCl in die nationale Hygiene-Strategie
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