Klüngel Schweiz: Was Moretti mit Swissair zu tun hat

Das helvetische Klüngel-Wappen. Das helvetische Klüngel-Wappen.

Swissair war der Urknall. Milliarden verbrannt, eine nationale Ikone versenkt – kein einziger Topmanager verurteilt, kein Franken Strafe. Juristisch sauber. Politisch bequem. Gesellschaftlich bis heute ein Stachel. Jetzt Jacques Moretti, frei auf Kaution. Juristisch nicht falsch: Untersuchungshaft ist kein Vorab-Strafvollzug. Politisch aber heikel. 40 Tote – und der Hauptbeschuldigte ist draussen. Das triggert den alten Reflex: Für Kleine in der Schweiz die volle Härte. Für Vernetzte: Auflagen und Zeit. Und vernetzt scheint er, Moretti.

Das Schweizer Muster

Komplexe Fälle produzieren viel Papier und noch mehr Gutachten. Verantwortung zerfliesst in Gremien, Beraterrunden und «kollektiven Entscheiden». Am Ende sagt das Strafrecht nein – und die Öffentlichkeit fragt: wirklich jetzt?

Prominente Parallelen

Bei Grossbanken und auf dem Finanzplatz zahlen meist die Institute Milliardenbussen – Einzelpersonen kaum je. Das System trägt die Kosten, Täter bleiben ungeschoren.

Ähnlich läuft es bei Bau-, Sicherheits- und Infrastrukturfällen: Nach Katastrophen folgen zwar Untersuchungen, Haft ist selten, Verfahren ziehen sich, Urteile fallen mild oder werden eingestellt.

Auch in Politik und Verwaltung gilt: Fehler ja, Schuld nein. Rücktritte sind das Maximum, strafrechtliche Konsequenzen minimal.

Das eigentliche Problem

In den von Helveten viel gerügten USA undenkbar. Die Justiz greift ennet dem Atlantik zu, Ausnahmen sind rar.

In der Schweiz gibt es Recht mehr als genug – Verantwortung zu wenig.

Chracher meint:

Nicht jeder Freispruch ist ein Skandal. Aber wenn sich Skandale systematisch ohne persönliche Konsequenzen erledigen, ist das kein Zufall mehr, sondern Struktur.

Die Schweiz ist exzellent im Aus- und Aufarbeiten. Schwach im Belangen.

Bei Moretti nach demselben Muster? Die Opfer verdienen schonungslose Gerechtigkeit.


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