Jeffrey Epstein war ein Monster. Aber Monster brauchen Komplizinnen. Die Minderjährigen, die er missbrauchte – keine Diskussion. Die konnten nicht einwilligen, wurden manipuliert, ausgenutzt, zerstört. Punkt. Aber dann waren da die anderen. Und über die redet niemand gerne.
Erwachsene Frauen, die für ein Wochenende auf Little St. James den Verstand zu Hause liessen. Die wussten, dass der Privatjet nicht gratis fliegt. Die Prinzen, Präsidenten und Milliardäre am Frühstückstisch sahen – und die Schlussfolgerungen bewusst nicht zogen. Die sich im Glanz des Netzwerks sonnten, die Partys genossen, die Kontakte melkten.
Nicht reingerutscht. Eingestiegen. Mit beiden Beinen. Augen offen. Moral weggeklappt. Für ein Patriarchat in Reinkultur, mit Frauen als Dekoration.
Und doch – ganz so einfach ist es nicht. Die Epstein-Files zeigen auch das: eine Frau, die auflistet, was sie alles tat. Sie kleidete sich, wie er es befahl. Frisierte sich, wie er es wollte. Massierte ihn non-stop. Badete mit ihm und seinen anderen Frauen, obwohl sie es nicht wollte. Tanzte, obwohl sie nicht in der Stimmung war. Das ist kein Kalkül mehr. Das ist Erniedrigung.
Ja, Epstein war ein Meister der Manipulation. Sein Netzwerk schuf Abhängigkeiten – emotional, finanziell, sozial. Das gilt auch für Erwachsene. Manipulation erklärt. Sie entschuldigt nicht. Wer mit 25, 30, 35 Jahren auf eine Privatinsel fliegt, die Gerüchte kennt, die Männer kennt – und trotzdem geht – der hat eine Wahl getroffen. Unbequem. Aber wahr.
Denn Epsteins Welt war glasklar strukturiert: Männer bedeuteten Macht, Netzwerk, Einfluss. Frauen bedeuteten Sex, Snacks, Sekretariat. Selbst die loyalsten Komplizinnen kamen nie an den Tisch. Eine langjährige Freundin weinte, weil er sie nicht zu seinen Dinner-Partys mit Mächtigen mitnahm. Seine Reaktion: Ärger über ihr «Weinen und Jammern». Die Frauen sollten tanzen – nicht denken.
Und die Männer? Richard Branson erfuhr, dass Epstein zwei russische Mädchen ohne britische Visa mitbringen wollte – zu einem Lunch auf Necker Island. Ein verurteilter Kinderschänder, zwei namenlose Frauen, keine Fragen. Bransons Antwort: «Of course. Best, Richard.» Noam Chomsky, das moralische Gewissen der Linken, riet Epstein, die öffentliche Empörung zu ignorieren – bloss «Hysterie über Missbrauch an Frauen», wie er es nannte.
Das ist die eigentliche Architektur des Skandals. Nicht nur ein perverser Mann. Ein System, das funktionierte, weil alle mitmachten. Männer mit Macht. Frauen mit Kalkül – oder Angst, oder beidem.
Die erwachsenen Frauen, um die es hier geht, sind keine Missbrauchsopfer. Sie waren volljährig, hatten Handlungsfreiheit, kannten das Umfeld und entschieden sich trotzdem.
Epstein ist tot. Maxwell sitzt. Die anderen leben weiter – unangetastet, unbefragt, ungestraft. Und nennen sich, wenn es passt, selbst Opfer.
Das ist die eigentliche Schande.
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