Der Schweizer Franken macht wieder, was er am besten kann: Er steigt. Unerbittlich. Gegen den Dollar so stark wie seit Jahren nicht mehr, gegenüber dem Euro ohnehin längst im Höhenrausch. Während draussen Unsicherheit regiert, wird der Franken zur letzten Adresse für nervöse Anleger. Safe-haven-Status on steroids. Während draussen die Währungen wackeln, steht er da wie ein Granitblock im Sturm – und die Schweiz diskutiert ernsthaft, ob das nun gut oder schlecht sei.
Der Grund liegt nicht in der Schweiz. Sondern im Rest der Welt. Ein schwächerer Dollar, politisch gewollt oder zumindest billigend in Kauf genommen, soll Amerikas Exportindustrie helfen. Klingt verlockend. Ist aber brandgefährlich. Denn wenn die Leitwährung schwächelt, sucht das Kapital Halt. Und landet – Überraschung – in der Schweiz.
Misstrauen schlägt Rendite. Immer.
Der Franken ist nicht einfach «nur stark». Er ist ein barometrischer Indikator für mangelndes Vertrauen in andere Währungen, ein Luxusgut in Zeiten geopolitischer Unruhe. Der starke Franken ist kein Unfall. Er ist ein Misstrauensvotum gegen den Rest der Welt. Schulden hier, Inflation dort, politische Unruhe überall – und mittendrin die Schweiz als Safe Haven mit Alpenpanorama. Wer Stabilität sucht, kauft Franken.
Für Schweizer Konsumenten fühlt sich das gut an. Ferien günstiger. Importe billiger. Kaufkraft deluxe. Die Schweiz shoppt international und fühlt sich einmal mehr reich. Doch dieser Reichtum hat eine Kehrseite.
Die helvetische Exportindustrie zahlt die Rechnung. Maschinen, Pharma, Uhren: Weltklasse, ja – aber plötzlich mit Wechselkurs-Aufschlag. Wer nicht einzigartig ist, wird aussortiert. Der Franken wird zur gnadenlosen Selektionsmaschine.
Franken-Dilemma
Und dann ist da noch die SNB. Gefangen im klassischen Dilemma.
Zinsen senken, um den Franken zu bremsen? Riskant.
Am Devisenmarkt eingreifen? Politisch heikel.
Nichts tun? Keine Lösung.
Schweiz ist dem Franken egal
Die Nationalbank balanciert auf der Rasierklinge, während der Franken einfach weiterläuft. Er fragt nicht um Erlaubnis.
Besonders pikant: Der starke Franken drückt die Inflation – oder kippt sie gleich in Deflation. Billige Importe, fallende Preise, abwartende Konsumenten. Für eine Volkswirtschaft, die Stabilität liebt, ist das kein Komfortproblem, sondern eine strategische Bedrohung.
Der Franken ist längst mehr als eine Währung. Er ist ein globales Misstrauensvotum. Gegen Schuldenpolitik. Gegen Inflationsrisiken. Gegen politische Experimente anderswo. Wer Sicherheit sucht, kauft Franken – egal, was das für die Schweiz bedeutet.
Land stark genug für seine Währung?
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr: Ist der Franken zu stark? Sondern: Ist die Schweiz stark genug für ihren Franken?
Noch stärkerer Franken? Möglich. Deflation? Eine reale Bedrohung. Politik- und Zentralbank-Aktionen? Absolut wahrscheinlich.
Und die SNB? Sitzt zwischen allen Stühlen. Eingreifen heisst: Vorwürfe aus dem Ausland. Nicht eingreifen heisst: heimische Firmen bluten lassen. Also macht sie, was sie immer macht: abwägen, beschwichtigen, warten. Der Franken marschiert trotzdem weiter.
Jammern? Auf Zentralbanker hoffen?
Jammern? Subventionieren? Oder endlich akzeptieren, dass ein harter Franken harte Entscheidungen verlangt?
Die Zukunft gehört nicht den Firmen, die auf einen schwächeren Franken hoffen. Sondern denen, die auch mit einem starken bestehen. Innovation schlägt Wechselkurs. Produktivität schlägt Nostalgie.
Der Franken wird nicht höflicher. Die Schweiz muss besser werden.
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