US-Präsident Donald Trump hat in Davos mal wieder die Leviten gelesen. Die Welt brauche die USA: Geht es Amerika schlecht, geht es allen schlecht. Faktenchecker fallen über Trumps Wirtschaftszahlen her, Medien ächzen. Unbeeindruckt gibt Trump den Takt vor. Ob Migration, Staatsapparat, Energie oder Zinsen – Trump bringt seine Nation auf Kurs. Europa? Moral ersetzt zunehmend Leistung als politisches Argument. Europa muss umdenken – und aufholen. Viele mögen das Trump widerwillig nicht zugestehen.
SRF-Wirtschaftsredaktor Sven Zaugg wirft Trump «Poltern, drohen, schönreden» vor:
Es wurde einmal mehr klar, dass der US-Präsident in seiner eigenen Fiktion lebt. Die USA diktieren die Bedingungen – und die Welt hat zu folgen.
Blick-Weltreporter Samuel Schumacher fühlt sich gekränkt, dass Trump sagte: «Ohne uns wäre die Schweiz nicht die Schweiz. Die ist nur gut wegen Amerika.» Gemeint war das riesige US-Handelsdefizit mit der Schweiz.
Fehler sind im Fokus. Fälschlich bezeichnete Trump die Schweizer Bundespräsidentin als Premierministerin. Dass Windräder aus China (das diese selber nicht braucht) nur für «Dumme» seien, stimme nicht. Die Schweiz sei erfolgreich wegen ihrer eigenen Stärken – und nicht nur wegen Amerika.
«So falsch ist das nicht»
Roger Köppel, Chefredaktor der Weltwoche, beobachtet nüchtern: «In Davos lag etwas Grosses in der Luft.» Amerikas Wirtschaftsboom, ja Wirtschaftswunder unter Trump: «So falsch und weit von der Wirklichkeit entfernt ist das nicht», erfuhr Köppel von Ökonomen. Deregulierung, Steuersenkung, Entlastung von Unternehmen und Bürgern, Staatsabbau sind nicht völlig verkehrt. Trump lässt Worten Taten folgen.
Trumps Rhetorik? Keine «sterilen, sandgestrahlten, parfümierten Sätze» wie bei üblichen Politikern, meint Köppel. Ohne Hemmungen greift der mächtigste Mensch der Welt Brandthemen wie Einwanderung und Klimapolitik auf. Europa sei nicht mehr wiederzuerkennen, sagt Trump, der sich als glühender Europäer mit elterlichen Wurzeln in Schottland und Deutschland gibt.
Europa sei einem grossen linken Betrug auf den Leim gekrochen. Die Länder mit den meisten Windrädern seien die grössten Verlierer. Windräder als Geldvernichtungsmaschinen.
Und er wolle Grönland – gewaltlos:
«Wir wollen ein Stück Eis – zum Schutz der Welt.»
Trump: Es gehe ihm nicht um Rohstoffe, sondern um Sicherheitspolitik.
Kurz nach seiner Rede meldete Dealmaker Trump: Ein Rahmenabkommen zu Grönland ist erzielt. «Sehr guter Deal für alle, fantastischer für die USA.» Angedrohte Zölle gegen Europa? Vom Tisch.

Chracher meint:
Trump kommt nach Davos und sagt offen, was viele nur denken: Die USA setzen den Takt. Faktenchecker zählen Fehler. Europäer fühlen sich angegriffen. Trump dagegen liefert eine klare Botschaft: Macht und Erfolg folgen Leistung – nicht Moral.
Trump nervt, provoziert und überzieht. Er geht bewusst zu weit, das hat System. Aber er benennt Probleme, die Europa systematisch verdrängt: Wohlstand fällt nicht vom Himmel, Moral nährt und stärkt keine Gesellschaft.
Wer sich nur über Tonfall und Fehler echauffiert, hat die Rede nicht verstanden. Die Rede war keine Trump-Show. Trumps Davos-Rede war ein Spiegel – und vielen hat nicht gefallen, was sie sehen.
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