In den Sechzigerjahren konnte man in Zürich in einen Bus steigen und nach Indien fahren. Nicht metaphorisch. Wirklich. Über Istanbul, Teheran, Kabul. Eine offene Welt, die man auf dem Landweg durchqueren konnte. Freiheit bedeutete damals nicht Werteprogramme oder Gipfeltreffen, sondern Bewegungsfreiheit. Wer wollte, fuhr einfach los. Heute klingt das wie ein Märchen. Nicht wegen der Geografie. Wegen der Politik.
Wir haben uns daran gewöhnt, dass ganze Regionen der Welt unpassierbar geworden sind – politisch, ideologisch, militärisch. Als wäre das der natürliche Zustand der Dinge. Dabei ist er das Ergebnis einer Entscheidung: Wir haben gelernt, Despotien zu akzeptieren, solange sie stabil wirken.
Die islamische Revolution 1979 verwandelte den Iran von einer Brücke zwischen Kontinenten in ein ideologisches Bollwerk. Ayatollahs ersetzten Reiseführer, Moralpolizei ersetzte Reisefreiheit. Die Strasse nach Asien verschwand nicht plötzlich. Sie wurde Schritt für Schritt geschlossen – und wir sahen zu.
Vier Jahrzehnte lang nannten wir das Diplomatie.
Dialog, Abkommen, Geduld. Währenddessen unterdrückte das Regime die eigene Bevölkerung, exportierte Gewalt in die Region und zog die richtige Konsequenz: Wer brutal genug im Innern herrscht, bleibt nach aussen unangreifbar. Das Völkerrecht wurde nicht gebrochen. Es wurde benutzt – als Schutzschild für jeden Diktator, der gelernt hatte, die richtigen Worte zu sagen.
Wir wollten Stabilität. Wir bekamen Stillstand.
Dann kam Donald Trump.
Nicht elegant. Nicht diplomatisch. Aber mit einem Instinkt, den viele westliche Politiker verloren hatten: Ein Schiff, das jahrzehntelang vom Kurs abgekommen ist, lässt sich nicht mit sanften Korrekturen retten. Manchmal braucht es hartes Gegensteuer.
Trump hat das Völkerrecht nicht zerstört. Er hat aufgehört, so zu tun, als funktioniere es noch. Seine eigentliche Provokation war nicht Machtpolitik – sondern Ehrlichkeit über Machtpolitik.
Seitdem erleben wir die Konsequenz. Die alte Ordnung zerfällt sichtbar. Militärische Abschreckung ersetzt juristische Illusionen. Sicherheit entsteht nicht durch Verträge, sondern durch Stärke. Pjöngjang versteht das. Moskau versteht das. Peking sowieso.
Europa hingegen spricht weiter die Sprache einer Welt, die es nicht mehr gibt.
Die ewige Duldung religiöser Despotien war keine friedliche Lösung. Sie war ein eingefrorener Konflikt auf Kosten der Menschen, die dort leben mussten.
Für Millionen Iraner bedeutete Stabilität nie Sicherheit. Nur Dauerunterdrückung und Religionsterror.
Trump beerdigt dieses Despotenwerk. Denn eine Welt, in der Tyrannen unantastbar bleiben, wird nie frei.
Die Strasse nach Asien wurde einst von Fanatikern geschlossen. Jetzt lernen wir, was es kostet, sie wieder zu öffnen. Trump hat angefangen, sie aufzubrechen.
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